Wissenswertes über Wildbienen

(aus „Wildbienen - die anderen Bienen“ von Paul Westrich)

 

Artenzahl und Lebensweise

Artenzahl: in Deutschland gibt es 550 Arten, weltweit über 20.000 Arten

 

Die artenreichsten Wildbienen-Gattungen sind die Sandbienen (113 Arten), Schmalbienen (70 Arten), Wespenbienen (65 Arten), Mauerbienen (45 Arten), Maskenbienen (38 Arten) und Hummeln (37 Arten).

 

Bei allen Bienenarten betreiben die weiblichen Tiere Brutfürsorge, d.h., sie sorgen für einen sicheren Ort und Nahrung für ihre Nachkommen. Die meisten Arten leben solitär, d.h., ein Weibchen kümmert sich alleine um seine Nachkommen, wenige kommunal (gemeinsames Nest mehrerer Weibchen, aber unabhängige Brutfürsorge), einige sozial (einige Schmalbienenarten, Hummeln) und ein Viertel der Arten in Deutschland (135) parasitisch (z.B. Wespenbienen und einige Hummelarten, die sogenannten „Kuckuckshummeln“)

 

Lebensräume

Wildbienen kommen nur an Stellen vor, an denen sie ihre Nahrungspflanzen, einen geeigneten Nistplatz und ggf. auch noch geeignetes Baumaterial nahe beieinander vorfinden.

 

Lebensräume in der Natur sind hauptsächlich trockene und sonnige Offenland-Biotopen wie z.B. sonnige Waldränder, Wiesen, Sand- und Lehmgruben, blütenreiche Feldränder, Hochstaudenfluren, Steinbrüche und Trockenmauern.

 

Nistplätze sind Erdlöcher (3/4 der Arten, z.B. alle Sandbienen), ehem. Fraßgänge von Käfern im totem Holz, markhaltige (z.B. Brombeer-) oder hohle Stängel, Morschholz, Schneckenhäuser, Steinspalten.

 

Als Nistmaterial werden z.B. Blütenblätter (Mohnbiene), Pflanzenwolle (Wollbienen), Laubblätter

(Blattschneiderbienen), Harz (Harzbienen), feuchter Lehm (Mauerbienen) verwendet. Nur die Hummeln können wie die Honigbienen selbst Wachs produzieren und bauen daraus Brut- und Vorratszellen.

 

Nahrungspflanzen

70 Prozent der Arten nutzen ähnlich wie die Honigbiene Blüten aus vielen Pflanzenfamilien (z.B. die Hummeln und einige Mauerbienen), 30 Prozent der Arten aber benötigen Blüten von nur einer Pflanzenart oder einiger nahe verwandter Planzenarten (z.B. sammelt die Natternkopf-Mauerbiene nur Pollen vom Natternkopf). Daher ist es für das Überleben vieler Wildbienenarten wichtig, dass die (Wild-)Pflanzen vorhanden sind, auf die sie sich spezialisiert haben. Blühmischungen mit hauptsächlich exotischen Arten sind daher für die Erhaltung der Artenvielfalt der Wildbienen ungeeignet.

 

Wildbienenschutz und Nisthilfen

53 Prozent der Wildbienenarten in Deutschland ist laut Roter Liste gefährdet. Hauptgründe für die Gefährdung sind die Intensivierung der Landwirtschaft (Verschwinden von blumenreichen Feldrändern und Wiesen) und der immer größere Flächenbedarf für Straßen, Siedlungen und Industrie.

 

Der wichtigste Wildbienenschutz ist die Erhaltung der Lebensräume. Damit Wildbienen in Parks und Gärten Ersatzlebensräume finden können, wäre hier ein weniger pedantischer Ordnungsbegriff notwendig (Stehenlassen von „Unkräutern“, seltenere Mahd und eine Vermeidung von Mulchmahd auf Wiesen). Rasen in Gärten sollte nicht gedüngt und seltener gemäht werden, dann kann mit der Zeit ein Blütenrasen mit Ehrenpreis, Gundermann, Gänseblümchen, Veilchen und anderen Arten für Wildbienen wertvollen Arten entstehen. Ein Sandhaufen, der jahrelang ungestört an der gleichen Stelle bleibt, kann sich mit der Zeit zu einem wertvollen Nistplatz entwickeln, ebenso Totholzstämme und hohle Pflanzenstengel.

 

Durch Nisthilfen kann man keine Art vor dem Aussterben bewahren, man kann aber die Anzahl der Individuen von Arten, die im Gebiet ohnehin schon vorkommen, erhöhen und diese besser beobachten.

 

Geeignet als Nisthilfen sind:

  • Bohrlöcher in Hartholz von 2-9 mm Durchmesser (haupts. 3-6 mm) quer zur Faser gebohrt / Tiefe entsprechend der Länge der üblichen Bohreinsätze, dh. größere Löcher sollten länger, kleinere Löcher können kürzer sein.

  • Bambus- und Schilfröhrchen von 2-9 mm Innen-Durchmesser / Länge ca. 10 cm / Hinterende geschlossen

  • markhaltige Stängel (z.B. Brombeere), senkrecht aufgestellt

  • größere Morschholz-Stücke (mind. 15 x 15 x 15 cm)

  • Sandhaufen auf der Erde oder künstliche Löß-Steilwände in Trögen

     

Nicht geeignet sind:

  • Kiefernzapfen

  • Heu

  • Lochziegel mit großen rechteckigen Löchern

  • Bohrlöcher in Holz oder Halme mit über 9 mm Durchmesser

  • Holzschnipsel

  • leere große Hohlräume

     

Bienenpflanzen für Honig- und Wildbienen

 

Vorbemerkung

Blühende Bäume und Sträucher sind zwar wichtig für die Ernährung der Bienen, sie reichen aber bei weitem nicht aus, um die Wildbienenvielfalt zu erhalten. Deutlich mehr Wildbienenarten sind auf Wildblumen angewiesen von Standorten wie z.B. Wiesen, Wegrändern oder Brachflächen. Damit die Artenvielfalt der Wildbienen erhalten bleibt, muss auch die Vielfalt der Wildpflanzen erhalten oder wiederhergestellt werden. Allgemein gilt: es gibt keine einheimische Wildpflanze, die nicht irgendeinen Nutzen für Wildbienen oder andere einheimische Blütenbesucher (wie z.B. Schmetterlinge oder die nützlichen Schwebfliegen) hat. Pflanzen aus anderen Kontinenten können diese Wildpflanzen nur zum Teil ersetzen, zum Teil werden ihre Blüten von unserer heimischen Insektenwelt aber auch überhaupt nicht als Blüten erkannt. Das ist umso wahrscheinlicher, je weiter entfernt ihr Herkunftsland von Mitteleuropa entfernt ist. Gefüllte Blüten sind wertlos für Bienen, teilgefüllte Blüten (dh. Blüten mit mehreren Blütenblattringen, aber Staubblättern im Zentrum) dagegen bieten Bienen Nahrung.

 

Bäume

Salweide und alle anderen Weidenarten, alle Obstbäume (incl. ungefüllte Ziersorten wie Blutpflaume oder Zierapfel), Eberesche, Elsbeere, Mehlbeere, Roß- und Eßkastanie, Robinie, Linde

 

Spätblühende Bäume

Hauptsächlich sollten einheimische Arten gepflanzt werden. Vielerorts besteht aber extreme Futternot bei den Bienen nach der Lindenblüte. Daher kann die Pflanzung spätblühender Bäume sinnvoll sein wie z.B. folgender Arten (Robine und Roßkastanie sind im übrigen auch nicht einheimisch, aber trotzdem sehr wertvoll für Bienen):

  • Japanische Linde (Tilia kiusiana) mit Blütezeit Ende Juli bis Anfang August

  • Blasenesche (Koelreuteria paniculata) mit Blütezeit Ende Juli bis Anfang August

  • Bienenbaum (Euodia hupehensis) mit Blütezeit im August

  • Henrys Linde (Tilia henryana) mit Blütezeit von August bis September

  • Schnurbaum (Sophora Japonica) mit Blütezeit Ende August / Anfang September

     

Kletterpflanzen

Kletterrosen, Efeu, Weinrebe und Wilder Wein, einheimische Waldrebe, Schlingknöterich

 

Sträucher

alle Beerensträuche wie Stachel-, Johannis-, Brom-, Himbeeren, Kornelkirschen, Schlehen, Faulbaum, Kreuzdorn, Weißdorn, Haselnuß, Ginster, Blasenstrauch, Feuerdorn, Rosen (falls nicht zu stark gefüllt), Berberitze, Tellerhortensien, Bartblume, Strauchmalve, Hibiscus syriacus, Elsholtzia

 

Leider keinen Nutzen für Bienen trotz vieler Blüten haben: Forsythien, Hortensien mit kugeligen Blütenköpfen (ihnen sind die echten Blüten weggezüchtet worden)

 

Ein- und zweijährige

Mohn, Natternkopf, Wegwarte, versch. Malvenarten (z.B. Mauretanische Malve, Stockrosen), alle Distelarten und Wilde Karde, Sonnenblume, Phacelia, Borretsch und Buchweizen

Diese Arten liefern wertvolles Winterfutter für die Vogelwelt, wenn sie erst im Frühjahr gerodet werden !

 

Mehrjährige winterharte Stauden und Zwiebelpflanzen für schattige Plätze

Blaustern (Scilla Bifolia), Leberblümchen, Lungenkraut, Schlüsselblume, Winterling, Anemone, Schneeglöckchen, Märzenbecher, Lerchensporn, Christrose und Nieswurzarten, Geißbart, Veilchen, Frühlings-Platterbse

 

Mehrjährige winterharte Stauden für sonnige Plätze [* auch bei Schmetterlingen beliebt]

Schneeheide, Krokus, Traubenhyazinthe, Beinwell, Skabiose*, Flockenblume*, Sonnenröschen, Glockenblume (aller Arten), Lauch* (alle Arten), Alant*, Ziest*, Bunte Kronwicke*, breitblättrige Platterbse, Graslilie, Paradieslilie, Disteln* (z.B. Alpendistel, Silberdistel, Mannstreu), Fingerhut, Rittersporn, Eisenhut, Leinkraut, Gewürzkräuter (z.B. Thymian, Bohnenkraut, Salbei, Lavendel, Rosmarin, Pfefferminze), Gilb- und Blutweiderich*, Sonnenbraut*, Sonnenhut*, Wasserdost*, Sedum (Fetthenne), Herbstaster* und Goldaster

 

Einjährige Dauerblüher für Balkon und Terasse

Lobelie, Duftresede, Löwenmäulchen, Einjähriger Natternkopf (Echium plantagineum), Schmalblättriger Doppelsame, Bidens ferulifolia (Zweizahn), Brachyscome multifida (Australisches Gänseblümchen), Strohblume, Coreopsis grandiflora (Mädchenauge), Kosmee, Dahlie, dauerblühende Fingerhut-Hybriden, Kokadenblume, Rudbeckia hirta (Sonnenhut), Salvia farinacea (Mehlsalbei), Scaevola saligna (Australische Fächerblume), Sutera (Schneeflockenblume), Verbena bonariensis (Patagonisches Eisenkraut), Veronica spicata (Veronica), Zinnie

 

Leider keinen Nutzen für Bienen trotz vieler Blüten haben: Geranien, Petunien

 

Mehrjährige Dauerblüher für Balkon und Terasse

Strauchbasilikum (z.B. Sorte „African Blue“)*, Vanilleblume*(blau bis weiß) , Gaura (weiß - rosa), Storchschnabel „Rozanne“ (blau), Lavendel (langblühende Sorten), Knautia macedonica (rot)

* Basilikum und Vanilleblume sind nicht frosthart und müssen deswegen drinnen überwintert werden !

 

Bezugsquellen für artenreiches Blumenwiesen-Saatgut

http://www.rieger-hofmann.de, http://www.syringa-pflanzen.de, http://www.saaten-zeller.de, http://www.heudrusch.de (regionale Saatgutübertragung für größere Flächen)

Stand 03/19 ml